«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68



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Aschermittwoch - Beginn der Fastenzeit
Kommentar zum heutigen Evangelium
Hl. Leo der GroĂźe (?-um 461), Papst und Kirchenlehrer
10. Homilie zum Vierzigtägigen Fasten

Die Übungen der Fastenzeit: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!“ (Joel 2,13)

Der Herr spricht: „[...] ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“ (Mt 9,13). Es ist folglich keinem Christen erlaubt, wen auch immer zu hassen, denn niemand hat durch etwas anderes Rettung erfahren, als durch die Vergebung der Sünden […] Das Volk Gottes soll also heilig sein, es soll gut sein: heilig, damit es sich von dem abwendet, was verboten ist; gut, um das zu erfüllen, was geboten ist. Groß ist es ganz sicher, einen geradlinigen Glauben und eine heilige Lehre zu haben; lobenswert ist es, die Gefräßigkeit zurückzuweisen, eine untadelige Sanftmut und Keuschheit zu besitzen, doch alle diese Tugenden sind nichts ohne die Liebe […]

Meine Lieben, zu jeder Zeit soll man das hohe Gut der Liebe in die Tat umsetzen, die Fastenzeit jedoch lädt uns in besonderer Weise dazu ein. All jene, die das Pascha des Herrn mit heiligem Geist und Leib empfangen wollen, müssen sich vor allem anstrengen, diese Geistesgabe zu erlangen, die das Wesen der Tugenden enthält und die „viele Sünden zudeckt“ (vgl. 1 Petr 4,8). Deshalb bereiten wir also, wenn wir uns anschicken, das Geheimnis zu feiern, das alle anderen überragt – nämlich jenes, durch das das Blut Jesu Christi unsere Sünden ausgelöscht hat –, zuallererst die Opfer der Barmherzigkeit. Was Gottes Güte uns geschenkt hat, sollen wir auch jenen schenken, die sich gegen uns versündigt haben. Alles Unrecht werde dem Vergessen anheimgegeben, das Fehlverhalten ziehe nicht die Strafe nach sich, und all jene, die an uns schuldig wurden, sollen nicht mehr die Vergeltung fürchten müssen […]

Ein jeder soll wissen, dass er selber ein Sünder ist, und er soll sich freuen, jemanden gefunden zu haben, dem er verzeihen kann, um selbst Vergebung zu empfangen. Dadurch können wir sicher sein, dass uns die Barmherzigkeit Gottes zuteil wird, wenn wir sprechen, wie der Herr uns gelehrt hat: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ (vgl. Mt 6,12).



 
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