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Freitag der 23. Woche im Jahreskreis : Lc 6,39-42
Kommentar des heutigen Evangeliums
Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo in Nordafrika und Kirchenlehrer
Auslegung der Bergpredigt, 19
Splitter und Balken
„Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, wo doch ein Balken in deinem steckt? Du Heuchler! Ziehe erst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders entfernen.“ Das heißt: entledige dich zuerst deines Hasses, dann kannst du den zurechtweisen, den du liebst. Und ganz zu recht sagt er: „Heuchler“. Die Laster zu tadeln, ist gerechten und wohlwollenden Menschen zu eigen. Böse hingegen maßen es sich an; sie lassen an Schauspieler denken, die hinter einer Maske ihr wahres Gesicht verbergen... Wenn wir zurechtweisen oder korrigieren müssen, so sollen wir genauestens darauf achten, die folgende Frage zu stellen: Haben wir niemals diesen Fehler begangen? Sind wir davon geheilt? Und selbst wenn wir ihn nie begangen haben, so sollten wir uns daran erinnern, dass wir Menschen sind und ihn begangen haben könnten. Wenn wir ihn aber in der Vergangenheit begangen haben, sollten wir uns daran erinnern, dass wir gebrechliche Menschen sind, damit das Wohlwollen und nicht der Hass uns Vorwurf oder Zurechtweisung diktieren. Ob der Schuldige besser oder schlechter wird – denn das Ergebnis bleibt offen: wir können wenigstens sicher sein, dass unser Blick rein bleibt. Doch wenn wir bei der Gewissenserforschung in uns denselben Fehler entdecken, den wir zu tadeln vorgeben, so wollen wir mit dem Schuldigen weinen, anstatt ihn zurechtzuweisen. Bitten wir ihn nicht darum, uns zu gehorchen, sondern unsere geistliche Anstrengung zu teilen.
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